Fahrradfreundliches Radebeul?!

ADFC-Fahrradklimatest: Radebeul zum dritten Mal dabei – Note 4,2 bedeutet bundesweit Platz 312 von 364 bei den Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern
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Radebeul hat 2014 bis 2016 keine Fördergelder beim Land für kommunale Radverkehrsinfrastruktur beantragt − Staatsregierung und Kommune müssen den Radverkehr endlich stärker unterstützen
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Das Interesse am Radverkehr ist auch in Radebeul da, die Einschätzung der Radler und Radlerinnen über ihre Stadt allerdings ernüchternd. So war die Stadt 2016 das dritte Mal beim Fahrradklimatest „Hat Deine Stadt ein Herz fürs Rad?“ des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs e.V. (ADFC) dabei. 119 fahrradfahrende Radebeuler Bürgerinnen und Bürger haben sich an der Online-Umfrage des Fahrradclubs beteiligt und nach Schulnoten in 27 Unterkategorien die Fahrradfreundlichkeit ihrer Kommune detailliert bewertet. Insgesamt erhielt Radebeul dabei die Note 4,2.
Eva Oehmichen, Stadträtin Bürgerforum/Grüne Radebeul hat sich die Ergebnisse des Fahrradklimatests für ihre Stadt genau angeschaut:
„Ich freue mich, dass sich immer noch viele Menschen in Radebeul für den Radverkehr als umweltschonende Mobilitätsform interessieren. 119 Menschen, die sich am Test in Radebeul beteiligt haben, sprechen eine deutliche Sprache für die Bedeutung des Radverkehrs in der Stadt.“
„Die Radebeuler Ergebnisse sind allerdings immer noch ernüchternd, aber realistisch: Bis man bequem, sicher und zügig in Radebeul Radfahren kann, muss noch sehr viel passieren. Radebeul erhielt eine Schulnotenbewertung von 4,2. Radebeul errang damit den zehnten Platz im sächsischen Vergleich von 17 gewerteten Kommunen in der gleichen Stadtgröße. Das bedeutet im bundesdeutschen Vergleich nur Platz 312 von 364 bei den Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern. Damit hat sich Radebeul im Vergleich zu 2014 nicht verbessert. Damals erreichte die Stadt die Note 4,0 und Platz 227 von 292 teilnehmenden Kommunen mit weniger als 50.000 Einwohnern. Eine Schülerin oder ein Schüler mit einer Note 4,2 wird mit „ausreichend“ bewertet – weit entfernt von „gut“ oder auch nur „befriedigend“. Das ist für mich ein ganz deutliches Signal, dass noch Luft nach oben bei der Radverkehrsförderung in Radebeul ist“, so die Abgeordnete.
Die beste Note gab es mit 2,9 in der Kategorie Erreichbarkeit des Stadtzentrums. Die Führung an Baustellen für Radfahrer wurde mit 4,8, die Werbung für das Radfahren mit 4,9 und die Frage nach dem Winterdienst auf Radwegen mit 5,1 benotet. Eine 5,0 bekam Radebeul für die fehlende Kontrolle der Falschparker auf Radwegen. Aktivitäten für die Fahrradförderung in jüngster Zeit wurden mit 4,6 benotet.
„Für den Radverkehr endlich deutliche Verbesserungen zu erreichen, muss das gemeinsame Ziel der Verkehrspolitik vor Ort und des Freistaates sein. Dazu braucht es mehr Planungen für sichere Radverkehrsanlagen und Förderung des Landes.“
„Die aktuelle Antwort von Staatsminister Dulig auf eine Kleine Anfrage der GRÜNEN Landtagsfraktion fällt allerdings für Radebeul ernüchternd aus. Die Stadt hat in den letzten drei Jahren zwischen 2014 und 2016 nach Angaben der Staatsregierung keine Fördergelder beim Land für kommunale Radverkehrsinfrastruktur beantragt.“
„Das ist eine verpasste Chance. Denn von den jährlich 8 Mio. Euro Fördermitteln des Freistaates für kommunale Radverkehrsinfrastruktur sind von den Kommunen im letzten Jahr nur 20 Prozent abgerufen wurden. Hier sehe ich eine riesengroße Chance für Radebeul. Ich möchte die Stadtverwaltung ermutigen, hier ihre Planungen für Radverkehrsinfrastruktur voranzutreiben,“ so Oehmichen.
Volker Herold, GRÜNER Bundestagskandidat ergänzt: „Das Wirtschaftsministerium muss die Kommunen offensiv beraten und zu Anträgen ermutigen. Die Information, dass seit Anfang 2016 die Staatsregierung den Bau kommunaler Radwege mit bis zu 90 Prozent fördert, scheint viele kommunale Verwaltungen noch nicht erreicht zu haben. Auch an den Planungskosten beteiligt sich der Freistaat. Es ist höchste Zeit, dass das Wirtschaftsministerium endlich in einem kompakten, gut verständlichen Leitfaden planerische Hilfestellung für die Kommunen bereitstellt.
Außerdem sehe ich Minister Dulig in der Verantwortung, die im Koalitionsvertrag 2014 versprochene Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte (AGFS) endlich zu gründen. Hier könnten sich Kommunen untereinander beraten und Fachwissen zu guten Beispielen bei der Radverkehrsförderung austauscht. Eine solche AGFS würde auch eine Chance für Radebeul bieten.“
„Die Staatsregierung sollte jetzt nicht mit dem Finger auf die Kommunen zeigen, die beim Fahrradklimatest schlecht abgeschnitten haben, sondern diese besser stärker unterstützen. Eine weitere Zunahme des Radverkehrs als klimaneutrale, lärmfreie und kostengünstige Verkehrsart muss dringend gefördert werden. Sichere Radwege werden dafür dringend benötigt.
Innerstädtische Straßen sind immer noch Unfallschwerpunkte für Radfahrer und Radfahrerinnen im Alltagsverkehr“, erklärt Volker Herold. „Im Jahr 2016 verunglückten in ganz Sachsen insgesamt 3.881 Radfahrer und Radfahrerinnen. Davon wurden 25 getötet und 837 schwerverletzt.“
Wer die Zahl der verunglückten Radfahrer und Radfahrerinnen senken will, muss deutlich mehr für eine sichere Infrastruktur tun. Woran es nicht nur im Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV), sondern auch in Kommunen wie Radebeul offensichtlich fehlt, sind ausreichende Planungskapazitäten und Fachkräfte, die sich ausschließlich mit Radverkehr beschäftigen. Eigentlich hat Sachsen und haben Städte wie Radebeul ein großes Radverkehrspotenzial“, so Volker Herold.
Gelegenheit ausführlicher über die Radverkehrspolitik in Radebeul und Sachen zu diskutieren, erhalten die Einwohner und Einwohnerinnen der Stadt am

Montag, dem 12.Juni. Ab 19.00 Uhr lädt die Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen in das Fraktionsbüro von Bürgerforum/Grüne in der Güterhofstraße 1, um die Fahrradfreundlichkeit von Radebeul zu diskutieren.
Auf dem Podium nehmen ein Vertreter des Fachbereichs Stadtplanung Radebeul ABGESAGT, Eva Oehmichen, Stadträtin Bürgerforum/Grüne Radebeul und Konrad Krause, der Geschäftsführer ADFC Sachsen Platz. Die Moderation wird von Katja Meier (verkehrspolitische Sprecherin der GRÜNEN-Landtagsfraktion Sachsen) übernommen.

Hintergrund:
Hier die Ergebnisse der Kommune Radebeul im Detail:
http://object-manager.com/om_map_fahrrad_if_2016/data/2016/Radebeul.pdf
Es wurde nach einem Schulnotensystem von 1=fahrradfreundlich bis 6 = nicht fahrradfreundlich bewertet.
Antwort von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) auf die Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Katja Meier (GRÜNE) „Ausgereichte Fördermittel im Haushaltstitel 07 06/ 883 17 Förderung Radverkehr einschließlich SachsenNetzRad im Jahr 2016“ (Drs. 6/8714)
http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=8714&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=1&dok_id=undefined
Antwort von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) auf die Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Katja Meier (GRÜNE) Ausgereichte Fördermittel im Haushaltstitel 07 06 883 17 Förderung Radverkehr einschließlich SachsenNetzRad in den Jahren 2014, 2015 und 2016 (Drs 6/5133)
http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=5133&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=1&dok_id=undefined

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