Fragen zum Verkauf Weinbergstraße 48 in Radebeul

Anfang des Monats wurde die Verkaufsabsicht des Gebäudekomplexes Weinbergstraße 48/48a öffentlich gemacht. Der Gebäudekomplex ist sanierungsbedürftig. Es drängt sich die Frage auf, warum die Besitzgesellschaft nicht selber saniert, sondern verkauft. Viele Bürger meldeten Bedenken zu diesem Verkauf an. Mehrere unter ihnen auch Mieter des Objektes, nutzen die Einwohnerfragestunde am 19. Oktober vor dem Stadtrat, um ihre Bedenken anzumelden.

Soziale Verpflichtung

Radebeul, die Stadt der Reichen … diese Aussage lese und höre ich sehr oft. Leider übersieht man mit dieser Aussage den allergrößten Teil der Radebeuler Bevölkerung. Ist es nicht eine Grundaufgabe einer Stadt beziehungsweise ihrer Besitzgesellschaft soziale Ungerechtigkeiten zu verhindern? Es muss für jeden Menschen möglich sein, in Radebeul wohnen zu können. Sieben Familien haben seit bekannt werden der Verkaufsabsicht der Gebäude Weinbergstraße 48 und 48a existentielle Ängste, da es ihnen nicht möglich ist, einen weitaus höheren Mietpreis, welcher bei einer Luxussanierung auf sie zukommen würde zu zahlen. Die Stadt Radebeul hat die Verpflichtung diesen Wohnraum, in dem sie teilweise seit ca. 50 Jahren wohnen ihren Bürgern zu einem bezahlbaren Mietpreis zur Verfügung zu stellen. Die Mieter werden bei einem Verkauf aus ihrem jahrelang gewachsenen sozialen Umfeld gerissen. Handelt die Besitzgesellschaft Radebeul nur unter wirtschaftlichen geschäftspolitischen Gründen und sieht sich in keiner sozialen Verpflichtung?

Nach welche Kriterien wird verkauft?

Nachdem ich mir das Exposé des Gebäudes angesehen habe, drängt sich mir eine Befürchtung auf. Der Zeitraum für die Abgabe eines Gebotes wurde sehr kurz gewählt. Innerhalb einen Monats ist es nur für sehr wenige Interessenten möglich, einen Finanzierungsnachweis und ein Nutzungskonzept zu entwickeln. Mit diesem Vorgehen provoziert die Stadt Radebeul genau diese in meiner ersten Ausführung genannte soziale Ungerechtigkeit und nimmt damit vielen Interessenten die Möglichkeit, interessante Konzepte zu entwickeln mit denen sie die Weinbergstraße und damit Radebeul aufwerten könnten. Es ist nicht ersichtlich, nach welchen Kriterien die Nutzungskonzepte beurteilt werden. Aus welchen Gründen wurde der Zeitraum so kurz gewählt? Soll ein Bieter bevorteilt werden?

Bebauungsplan weiterhin nicht rechtskräftig

Im März des letzten Jahres haben 43 Eigentümer, Bewohner und Anrainer des Gebietes, Bebauungsplan Nr. 64 „Östliche Weinbergstraße“, fristgerecht Anregungen und Hinweise zu diesem Vorschlag bei der Stadt Radebeul eingereicht. Unterdessen sind anderthalb Jahre verstrichen, in denen sie im Bezug auf dieses Schreiben noch keine Antwort von der Stadt Radebeul erhalten haben. Mich verwundert, dass der Bebauungsplan noch nicht beschlossen wurde und bedingt dieses Zustandes ein neues dem Charme der Weinbergstraße widerstrebendes Gebäude errichtet wurde. Ich habe die Befürchtung, dass mit dem Verkauf der Gebäude Weinbergstraße 48 und 48a eine weitere Verunstaltung unseres Stadtbildes entstehen kann. Was tut die Stadt gegen diese Befürchtung? Die Aussage von Oberbürgermeister Wendsche, dass sich dieses architektonisch wertvolle Gebäudeensemble im Denkmalverzeichnis befindet, beunruhigt mich.

Schon ein anderes Gebäude wurde von der Denkmalliste gestrichen

Die Beunruhigung möchte ich natürlich begründen. Ein Schreiben des Landesamtes für Denkmalpflege (29. August 2005) bestätigt den Verbleib des Gebäudes Weinbergstraße 38 bedingt der baugeschichtlich bedeutenden Stilrichtung des 19. Jahrhunderts auf genau dieser Liste. Vier Monate später wurde dieses Schreiben mit der Begründung eines Nichtvorhandenseins des öffentlichen Erhaltungsinteresse vom gleichen Referenten widerrufen. Daher stelle ich mir die Frage, was tut die Stadt gegen ein eventuelles Verunstalten des Charmes der Weinbergstraße?

Teile diesen Inhalt: