Neuer Lobgesang auf Sachsen?!

Die Junge Union im Kreis Meißen  hat offensichtlich vor sich einmal wieder als die Heimatpartei zu profilieren. Der Vorschlag der Jungen Union Meißen, eine Hymne für Sachsen „wiedereinzuführen“, um damit „auch zu einer stärkeren Bindung der Sachsen und Sächsinnen zu unserem Land“ beizutragen lehnen die Jungen Grünen im Kreis Meißen ab. Eine künstlich aufgezwungene noch nie da gewesene Hymne, die keinerlei gewachsene Tradition besitzt, wird niemals zu einer stärkeren Bindung zu unserem Land beitragen.

Martin Oehmichen von den Jungen Grünen erklärt: „Wir in Sachsen benötigen zur Identitätsstiftung keine Hymne. Die Bindung zu einem Land ist nicht nur Vergangenheit sondern auch Zukunft. Also nicht nur woher wir kommen sondern auch wohin wir gehen und bleiben wollen. Heimat ist, wo nicht nur Einer oder Eine Wurzeln hat, sondern auch, wo andere anwurzeln können. Viele verbinden erhebliche Emotionen mit einer Rückkehr von einer langen Reise zurück nach Sachsen oder während Ausflügen an sächsische Seen und Flüsse, in Wälder, Berge und Städte. Diese Emotionen konzentrieren sich jedoch keineswegs auf abstrakte Hymnen oder Staatsgebilde, sondern vor allem auf die Menschen, Landschaften und Städte.“

„Zudem ist die Wahl dieser Hymne aus geschichtlichen Aspekten nicht wirklich nachvollziehbar. Im Gegensatz zu allen anderen Staaten des später gegründeten Deutschen Bundes, hatte sich während dem antinapoleonischen  Befreiungskrieg der sächsische König Friedrich August I (von Napoleon  vom Kurfürsten zum König ernannt), nicht rechtzeitig gegen Napoleon gewandt und stand somit auf Seiten der Verlierer. Die vollständige Übernahme Sachsens durch Preußen wurde nur durch die Gründung des Deutschen Bundes auf dem Wiener Kongress 1814 -1815  verhindert. Folgen dieser Beschlüsse brachten, anders als erhofft keinen Wandel, sondern politische Restauration und strenge Zensur.Eine Teilerhaltung Sachsens sollte höchstwahrscheinlich vor allem als Pufferzone zwischen den  konkurrierenden Mächten Österreich und  Preußen dienen“, ergänzt Anne Kämmerer. Friedrich August I blieb bis zu seinem Tode Regent.

Die Hymne wurde 1815 von Siegfried August Mahlmann zum Anlass des 50 jährigen Thronjubiläums als Lobpreisung der „Treue“ des Königs zu Napoleon geschrieben. Zu jener Zeit hatte Sachsen als kleiner Staat im Deutschen Bund keine große Bedeutung mehr. Außerdem bestand aus Sicht der Bevölkerung kein Grund zum Jubeln. Die Sachsen hatten bereits bei der Unterstützung Napoleons auf dem Russlandfeldzug herbe Verluste hinnehmen müssen. Während der Befreiungskriege wurde Sachsen Schauplatz unzähliger blutiger und leidvoller Gefechte, so dass auch die sächsische Bevölkerung schwer litt.

Schon allein aus diesem Blickwinkel betrachtet ist es unpassend, eine Lobhymne auf den König, welche in einer Zeit der Niederlage, erneuter Zensur und Repressalien gegen die Bevölkerung gehalten wurde, als neue sächsische Hymne künstlich und konstruiert den Sachsen aufzudrängen.

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