Neues Verständnis der Gesundheitsversorgung

Der demografische Wandel stellt unsere Gesellschaft, das Gesundheitswesen und unsere Kommunen vor große Herausforderungen. Die bisherigen Strukturen in der medizinischen Versorgung und in der Pflege bzw. in der Altenhilfe werden zur Bewältigung des steigenden Behandlungs- und Pflegebedarfs nicht ausreichen. Insbesondere in den ländlichen Regionen müssen neue Versorgungsstrukturen für die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen geschaffen werden.

Jeder Mensch möchte möglichst lange und selbstbestimmt in seiner eigenen Wohnung, in seinem bekannten Wohnumfeld wohnen. Der Wegfall von medizinischen und pflegerischen Versorgungsstrukturen stellt insbesondere die auf dem Land lebenden pflegebedürftigen Menschen vor schier unlösbare Schwierigkeiten. Die Abwanderung erwerbstätiger pflegender Angehöriger in die Städte und Ballungszentren verschärft die Situation, da die Betreuung der auf dem Land verbleibenden Menschen nur noch durch professionelle Angebote sicher gestellt werden kann. Somit bedeutet Altern im ländlichen Raum, dass Menschen in ihrer letzten Lebensphase eine verstärkte zwischenmenschliche und sozialräumliche Isolation erleben müssen. Diese Entwicklung ist nicht nur für die alternden Menschen folgenreich sondern auch für unsere Sozialsysteme.Nicht zuletzt deshalb muss der Aufbau von neuen flexiblen Versorgungsstrukturen gefördert werden. Dabei gilt es, ein neues Verständnis der Gesundheitsversorgung vor Ort mit angepassten Versorgungsstrukturen zu entwickeln und neue Formen der Abstimmung zwischen den Gesundheitsberufen zu finden. Unabdingbar ist es, dass sich die verschiedenen Akteure der Gesundheitsversorgung besser vernetzen.
Um dies zu erreichen sollten sich mobile Pflegedienste, Pflegeeinrichtungen, Hausärzte und Krankenhäuser, aber auch Vertreter weiterer therapeutischer Angebote (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie usw.) sowie Sanitätshäuser und Apotheken in regionalen Versorgungsverbänden zusammenschließen. Dabei kommt es aber darauf an, dass alle Aktivitäten koordiniert durchgeführt werden. Ob eine optimale Versorgung erreicht werden kann, wenn die Verantwortung für die Koordinierung weiterhin beim Hausarzt verbleibt oder wenn sie auf verschiedene Berufsgruppen neu verteilt wird, lässt sich gegenwärtig noch nicht sagen.
Neben der klaren Zuordnung der Verantwortung in den Netzwerken bedarf es auch einer angemessenen Honorierung der Akteure. Schon heute nehmen qualifizierte Pflegekräfte neben dem Hausarzt eine Schlüsselrolle bei der medizinischen Versorgung ein, ihre Vergütung hält bisher allerdings nicht Schritt mit den physischen und psychischen Belastungen dieser Tätigkeiten.
Um die demographischen Probleme nicht nur auf dem Land zu lösen, bedarf es der Diskussion über die sinnvolle Verteilung vorhandener finanzieller Mittel im Gesundheitswesen. Eine neue gesellschaftliche Prioritätensetzung ist unabdingbar. Dabei ist eine gut koordinierte Basisversorgung erforderlich, eine wirksame Hochleitungsmedizin gewünscht, eine aufwändige Medizin mit marginalem Nutzen hingegen unnötig und verzichtbar.

Teile diesen Inhalt: