Radebeul – Null Euro für neue Bäume ein Armutszeugnis

Der beschlossene Haushalt der Stadt Radebeul zeigt erneut das äußerst bedenkliche Umweltverständnis im Rathaus. Erst im April 2011 hatte der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss gefasst, dass in Zukunft jährlich 1 Prozent der Eigenmittel aus dem Bau-Investitionshaushalt für die Neupflanzung von Bäumen verwendet werden soll. Doch bereits wenige Monate danach setzt sich die Stadtverwaltung über diesen Beschluss einfach hinweg und legt den Stadträten den Haushaltentwurf 2012 vor, in dem die sowieso schon minimalen Mittel dafür ganz auf Null gestrichen sind.Welche Bedeutung haben Stadtratsbeschlüsse in Radebeul denn überhaupt noch? Warum hat sich die Mehrheit der Stadträte nicht an den eigenen Beschluss erinnert?
Die Mittel wurden mit der Begründung gestrichen, dass die Zahl städtischer Bäume in den vergangenen Jahren ständig zugenommen habe und damit auch die Folgekosten nicht mehr bezahlbar seien. Doch wie ist die Realität in unserer Stadt? Jahr für Jahr fallen neben stadtbildprägenden Großbäumen zahlreiche weitere Bäume der Säge zum Opfer. Von systematischen Ersatzpflanzungen für gefällte Bäume – wie sie unsere Baumschutzsatzung eigentlich vorsieht – kann in Radebeul keine Rede sein. Vielmehr existieren selbst viele der in den letzten 20 Jahren gepflanzten Bäume bereits nicht mehr oder befinden sich in einem erbärmlichen Zustand.
Bei der Klage über die Folgekosten wird indes die wichtige Funktion des Stadtgrüns für Kleinklima und Luftqualität nicht berücksichtigt. Hat der Vorteil für das Stadtbild, für die touristische Attraktivität und allgemein für die Lebensqualität und Erholungsfunktion in einer Stadt keinen Wert? Noch nicht einmal die „positiven Schattenseiten“ als Schattenspender, sondern nur negative Schattenseiten, nur „negative“ Folgekosten werden gesehen. Bei dem Bau von kostenlos zur Verfügung gestellten Parkplätzen oder der Schiffsmühlenbrücke mit ihrer marginalen Entlastungsfunktion für Radebeul spielen die Folgekosten jedoch keine Rolle. Unbeachtet bleiben die ständig zunehmende Bodenversiegelung, die Zunahme von Luftverschmutzung und Lärm.

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