Radebeul zeigte Gesicht gegen Rechts

Die NPD stoppte am 2.11.2012 im Rahmen der „Anti-Islamisierungs- und -Überfremdungs-Tour“ in Radebeul. Sie wollten eine Kundgebung vor dem Asylsuchendenheim in Radebeul-Naundorf abhalten. Dies wurde vom Landkreis Meißen aber nicht genehmigt, sondern um ca. 400 Meter in westliche Richtung verlegt.

Ein buntes Bündnis für ein buntes Radebeul

Innerhalb kürzester Zeit gründeten couragierte RadebeulerInnen das parteiübergreifende Bündnis „Radebeul für Menschenfreundlichkeit und gegen Rassismus“. Das Bündnis setzt sich aus vielen verschiedenen Personen zusammen. Ob ohne oder mit gesellschaftspolitschen Hintergrund – beispielsweise aus Vereinen, Kirchen, Initiativen, Unternehmen und demokratischen Parteien – alle hatten ein Ziel: ein gemeinsames, breites und buntes Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit in Radebeul.Das Bündnis rief zur Teilnahme an einer Mahnwache auf. So sollte ein friedliches Zeichen gegen die menschenverachtenden und rassistischen Hetzreden gesetzt werden. “Buntes Radebeul” – steht für eine offene Gesellschaft, in der alle Menschen, egal woher sie kommen, egal welche Hautfarbe und egal welcher Religion sie angehören, gleichberechtigt und würdevoll miteinander leben können. Die RadebeulerInnen engagieren sich für eine demokratische und diskriminierungsfreie Gesellschaft. Weit über 100 RadebeulerInnen unterschrieben deshalb innerhalb von drei Tagen den Aufruf des Bündnisses. Unter den UnterzeichnerInnen befanden sich auch zahlreiche bekannte RadebeulerInnen.

Kein zweites Lichtenhagen!

Das Bündnis dankt der KBA Planeta, die eine Wiese des Unternehmens zwischen Neonazis und dem Asylsuchendenheim für den demokratischen Protest zur Verfügung stellte. Dieser Ort war sehr wichtig, da die anwesenden DemokratInnen an dieser Stelle die Asylsuchenden vor den Hetztiraden der Neonazis schützen konnten. Viele TeilnehmerInnen dachten an Rostock Lichtenhagen, dort fing es auch mit Pöbeleien an, endete aber in einem Pogrom. Mit seiner festen zivilgesellschaftlichen Verankerung konnte der Protest gegen die NPD zeigen, dass deren rassistische Stimmungsmache und ihre populistischen Parolen in Radebeul nicht gesellschaftsfähig sind.

Die größte zivilgesellschaftliche Kundgebung seit der Wende

Der technische Werkleiter der KBA Planeta begrüßte die versammelten Radebeuler BürgerInnen und wies darauf hin, dass gute internationale Kontakte nicht nur für sein Unternehmen wichtig sind. Die zahlreichen weiteren RednerInnen wechselten sich mit Livemusik Radebeuler Bands ab. Gegen die Kälte wurde warmer Tee ausgeschenkt und die zahlreichen Trillerpfeifen wurden schon einmal warm getrillert.

Polizei kontrolliert Neonazis

Augenzeugen berichteten, dass es bei vorherigen Kundgebungen der NPD zu gewalttätigen Zwischenfällen gekommen sei. Aus diesem Grund führte die Polizei noch vor Radebeul eine umfangreiche Kontrolle des NPD-Tross auf Waffen durch.

300 RadebeulerInnen zeigen Gesicht gegen Rechts

Als der NPD-Tross, der hauptsächlich aus den Landtagsabgeordneten und Fraktionsmitarbeitern der NPD bestand, eintraf, wurde es laut. Ein Meer aus Trillerpfeifen und einige Vuvuzelas ergänzten die Sprechchöre wie „Haut ab“ und „Apfelmus“. Die Hetztiraden der NPD gingen im lautstarken Protest der RadebeulerInnen vollkommen unter. Die mittlerweile 300 TeilnehmerInnen der Mahnwache sandten ein beeindruckendes und sehr deutliches Zeichen an die etwa 20 Neonazis:

„Wir wollen euch hier nicht haben! Wir lassen es nicht zu, dass die Neonazis sich in Radebeul breitmachen. Radebeul ist bunt und die Asylsuchenden gehören dazu und genießen Schutz in unserer Stadt!“

Dies wurde der NPD am Freitagabend sehr deutlich gemacht. Nach einer Stunde hatte der braune Spuk ein Ende. Die NPD verstaute ihre Lautsprecher wieder im LKW und zog ab.

Zurücklehnen? Nein!!!

Die Neonazis werden in Radebeul wieder versuchen, ihre fremdenfeindliche Ideologie zu verbreiten. Die Mitglieder des Bündnisses wollen wachsam bleiben. Die Anliegen der Personen im Asylsuchendenheim sollen auch nach diesem Tag ein Schwerpunkt des Engagements bleiben. Die Arbeit des Bündnisses ist noch nicht erschöpft. Nach einer Auswertung der vergangenen Tage will man die menschenunwürdige Unterbringung der Asylsuchenden im Radebeuler Heim thematisieren.

Der Stadt Radebeul und dem Landkreis Meißen muss bewusst werden, dass sie nicht frei von rechtem Gedankengut sind. Die NPD erreichte bei der letzten Kommunalwahl 1125 Stimmen. Die harmlos erscheinende, von RadebeulerInnern gewählte, NPD- Stadträtin steht für die Inhalte der NPD. Ihr freundliches Auftreten mag dabei an das Grimm’sche Märchen der sieben Geißlein erinnern. Eine Schulung der Stadträtinnen und Stadträte über die Strategien der NPD sollte noch einmal ins Auge gefasst werden. Ebenso müssen Strategien zum Umgang mit der NPD im Stadtrat erarbeitet werden.

Martin Oehmichen und David Schmidt

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